Vom Bauernhaus zur Bauernschmause

Auf den ersten Blick fällt einem in der St. Georgenstraße in Polch nichts Ungewöhnliches auf. Eine ganz normale Ortsdurchfahrt mit Häusern rechts und links. Dem ist aber nicht ganz so.

Vor einer Hofeinfahrt steht eine eher unauffällige braune, circa 1,5 Meter große Statue aus Eisen, die wohl eine Bauersfrau darstellt, die ein Tablett mit einem Kuchen trägt. Fast unwillkürlich geht der Blick dann, hat man die Figur ersteinmal wahrgenommen, in den Hof. Die Gartentische und -stühe, die weiter hinten in der Einfahrt zu sehen sind, lassen noch nicht das vermuten, was sich eigentlich hinter dem Ganzen verbirgt. Auch zwei Transparente, die auf die Bauernschmause hinweisen sollen, fallen eher zweitrangig auf. Fangen wir noch einmal ganz von vorne an. Zu einem Hof gehört natürlich auch ein Haus. In diesem Fall handelt es sich um ein schönes, altes Bauernhaus mitsamt Nebengebäuden, das 1892 von Jakob Schmitt erbaut wurde. Jakob ehelichte Theresa Adams, die aus Kerben stammte. Die Tochter von Jakob und Theresa, Margarete Schmitt, heiratete Alois Loch. Sie übernahmen den landwirtschaftlichen Betrieb, dem der Hausname „Daumes Hannese Gret“ anhaftet, wobei „Gret“ auf Margret zurückzuführen ist. Dass „Daumes Hannese“ eventuell auf die Großeltern schließen lässt, ist nur eine Vermutung, liegt aber wohl sehr nahe. Im Jahr 1931 brannte die Scheune ab, die später wieder aufgebaut wurde. Die Frauen, die den Kessel anfeuerten, um Wäsche zu waschen, feuerten so stark, dass die Spreu, die in unmittelbarer Nähe gelagerte wurde Feuer fing, wobei eine Zuchtsau verbrannte. In der nächsten Generation übernahm Anton, der Sohn von Alois den Landwirtschaftsbetrieb und bewirtschaftete ihn mit seiner Frau Hildegart. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor und wie könnte es in einer traditionsbewussten Familie anders sein, übernahm eines der Kinder den Hof. Alois, selbstverständlich nach dem Großvater benannt (seine Schwester übrigens nach der Großmutter, Margarete), verdiente sein Brot also ebenfalls mit der Landwirtschaft und Viehzucht. Und obwohl beides irgendwie gleichermaßen aufgeteilt war, ging das Augenmerkt der Bevölkerung wohl immer ein bisschen mehr auf die Hühnerzucht. Vielleicht lag das daran, dass die Eier, die ganz am Anfang am Küchentisch verkauft wurden, später mit dem Fahrrad und zuletzt mit dem VW-Bus zu den Leuten in der Umgebung gebracht wurden und dadurch mehr Präsenz hatten als die übrige Landwirtschaft. Wie das nun mal so ist, lernte Alois seine Martina kennen, sie heirateten und bekamen vier Kinder. Martina stammte aus Pelm bei Gerolstein. Als gelernte Dorfhelferin konnte sie sich einwandfrei in den Bauernbetrieb einbringen. Auch bei den Landfrauen wirkte sie aktiv mit. Ihre Kreativität kannte kein Ende. Selbstgemachte Marmeladen, Liköre, Figuren aus Heu und Strao und, und und… fanden ganz schnell die Aufmerksamkeit der Anwohner. So wurde kurzerhand der ehemalige Schweinestall, der früher als Pferdestall diente, in einen Hofladen umgebaut, in dem man all die selbstgemachten Kostbarkeiten kaufen konnte. Es war übrigens einer der ersten Hofläden in der Umgebung, die danach fast in jedem Bauernebtrieb sozusagen aus der Erde schossen. Auch auf Märkten fanden Martinas Kreationen guten Absatz. In einem Gespräch sagte sue einmal, dass das ein bisschen Selbstverwirklichung für sie sei.

Aber nicht genug der Selbstverwirklichung! Anfang 2000 sah man bei den Lochs Bagger ein- und ausfahren. Es wurde geräumt, gebuddelt, gebaut und umgebaut. Und 2005 war schließlich due Eröffnung der Bauernschmause. „De Kaminstuff“, in der ca 70 Leute Platz finden, wurde angebaut. Die „kleine Schanzenschäyer“, die früher zum Trocknen und zur Verarbeitung von Birkenreisern zu Besen diente, bietet heute wie auch die „Räächerkammer“, die ehemalige Räucherkammer, je bis zu 25 Leuten die Möglichkeit zum gemütlichen Beisammensein. Bei gutem Wetter laden der Innenhof oder die Gartenterasse zum Verweilen ein. Ein rundum uriges und gemütliches Ambiente! Es werden regionale Jahreszeitküche, Bauernfrühstück, hausgemachte Kuchen sowie Vesperplatten angebten. Frische und selbsterzeugte Naturprodukte als Mitbringsel sind im Hofladen natürlich immer zu den Öffnungszeiten erhältlich. Martinas selbstgebackene Kuchen und Torten waren von Anfang an im Gespräch und sind mittlerweile weit über die Grenzen des Maifeld mehr al ein Geheimtipp!

Während die Viehzucht 2014 „heruntergedrosselt“ und 2015 gänzlich eingestellt wurde, bewirtschaftet Alois Loch auch heute noch die Äcker und Felder und erledigt selbstverständlich die Einkäufe für die Bauernschmause. Eines der Loch-Kinder hat das Hotelfach erlernt und wer weiß…. vielleicht können wir die Tradition der Lochs noch viele Generationen weiterverfolgen.

Text: Anette Kremb

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